Schladminger Gletscher, Dachsteingebirge

Gletscherzustandsbericht 2007

© Franz Mandl

 

Ein Bild von Friedrich Simony aus dem Jahr 1842 und ein Foto vom August 2007 dokumentieren den dramatischen Rückgang des Schladminger Gletschers.

1842 bedeckte der Gletscher mit seinen nördlichen Ausläufern entlang der Gjaidsteinhänge 3 km² Fläche. Ein Teil der ca. 1 km² großen, weitläufigen Firnbedeckung im Bereich des Gjaidsteins ist auf dem Bild von F. Simony zu sehen. In der Alpenvereinskarte von 1915 ist noch der Rest dieser in den diversen Beobachtungen und Publikationen nicht berücksichtigten Vergletscherung, die aber mit dem Schladminger Gletscher zusammenhing, aufgenommen worden. Heute sind nur noch 0,74 km² von der einstigen Gletscherfläche mit einer durchschnittlichen Eishöhe von 15 m im Nordbereich des Koppenkarsteins und des Hunerkogels übrig geblieben. 1996 waren es noch immerhin 0,95 km². Nehmen wir an, dass 1850 zwei Drittel des Gletschers eine durchschnittliche Eishöhe von 30 m und ein Drittel eine Eishöhe von 5 m hatte, dann lag eine Eismasse von ca. 125.000.000 m³ vor. Heute sind noch ca. 8.500.000 m³ davon übrig geblieben. Dies würde bedeuten, dass nur noch ein Rest von 7 % der Eismasse vorhanden sind oder dass dieser Rest in die einstige Eismasse 15 mal Platz hätte. Diese Hochrechnung ist jedoch mit einer gewissen Ungenauigkeit zu betrachten. Dass der Gletscher, der 1850 auf 2700 m begann und auf 2250 m endete, heute noch existiert, verdankt er der extremen Nordstaulage mit starken Niederschlägen und niedrigen Temperaturen. Der Gletscher ist heute als Toteiskörper zu betrachten.

Der ungewöhnlich starke Schneefall zwischen 4. und 8. September 2007 ergab eine Neuschneedecke von 1 m. Diese Schneehöhe wurde sogar noch auf der 1630 m hoch gelegenen Schildenwangalm erreicht! Auf der Viehbergalm auf 1450 m hatte es noch 50 cm Schnee. Das Vieh wurde vor den in den Medien angekündigten Schneefällen abgetrieben. Viele Baumwipfel haben den Schneedruck nicht standgehalten und sind abgebrochen. Weitere unergiebige Schneefälle folgten im September. Damit konnte das Abschmelzen der Gletscher beinahe ein Monat lang gestoppt werden. Bis zum 27. 9. 2007 ist der Schnee wieder bis 2000 m hinauf komplett weggeschmolzen. Die Gletscherränder beginnen wieder auszuapern. 

 

Schladminger Gletscher von der Modereckalm aus gesehen. Friedrich Simony um 1842. Damals war das Maximum des Gletschervorstoßes noch nicht erreicht. Es gab sogar einen kleinen Gletscher unter der Ostwand des Koppenkarsteins und den Schmiedstockgletscher im Landfriedtal, die beachtliche Moränen hinterlassen haben. (© Archiv ANISA)

 

Schladminger Gletscher, 27. 8. 2007. Modereckalm. Franz Mandl 2007

 

8. Oktober 2007

Gletschervermessung mit GPS und Fotodokumentation.

Der ausgiebige Schnee vom September war sehr günstig für den Eishaushalt des Gletschers. Am 8. 10. 2007 war noch eine Schneedecke von durchschnittlich einem halben Meter vorhanden. Nur an exponierten Stellen trat das blanke Eis hervor. Der Schnee überragte die Eisränder nur unwesentlich. Am Messstein-West war auch dieses Jahr ein neuer Stein,  5 m vom 2006er-Stein entfernt, ausgeapert. In diesem Bereich ist im Sommer 2007 ca. 1 m Eishöhe abgeschmolzen. Nach der heutigen aktuellen GPS-Vermessung weist der Schladminger Gletscher noch eine Fläche von ca. 0,730 km³ auf. Der tiefste Punkt wird im Osten auf 2415 m erreicht. Den höchsten Punkt erreicht der Gletscher auf dem oberen Teil des Gjaidsteinsattels (2690 m). Die Differenz beträgt heute ca. 275 Höhenmeter gegenüber von 480 m im 19. Jahrhundert. 

 

Messstein-West mit den ausgeaperten Felsen 2007 und 2006

 

Messstein G 03 ist gänzlich ausgeapert. Hier ist eine 8 m hohe Felswand entstanden. 2007

 

Blick vom Hunerkogel auf den Schladminger Gletscher. 2007

 

Ausgeaperte Liftstützen im Bereich des Gjaidsteinsattels. 2007

 

Schnee wurde zu den Lifttrassen geschoben. 2007

Die Gletschervermarktung stellt derzeit Überlegungen an, wie man die rapide Gletscherschmelze verzögern kann. Dazu wurde auch das Institut für Glaziologie in Innsbruck herangezogen.

 

Eingang zum "Eispalast" ( Eishöhle). Da die aus Deutschland herangekarrten, teuren kitschigen Eisskulpturen im Sommer unter der Hitze leiden und teilweise abschmelzen, wird der Einbau einer elektrisch betriebene Kühlanlage überlegt. 2007

 

Die Eishöhle ohne Kühlung und Luftschleusen (Toren) hält sich nicht in unseren Sommern und taut ab.

Der Umweltschutz hat hier oben auf den Gletschern trotz Naturschutz ein stiefmütterliches Dasein. Foto: 2006

 

Links:

Gletscherzustandsbericht 2006:  http://www.anisa.at/dachstein_gletscher.htm

Live-Cam Hallstätter Gletscher: http://www.bergzentrum.at/ 

Touristische Vermarktung der Dachsteingletscher und Live-Cam: http://www.planai.at/dachstein/index.php

Live.Cam: Dachstein-Krippenstein: http://www.panoramablick.com/index.php?nav_id=479&kat_id=403&cam_id=297&lang=&action=showkat 

Literatur: 

KROBATH, Michael/LIEB, Gerhard Karl: Die Dachsteingletscher im 20. Jahrhundert. Institut für Geographie der Universität Graz. Plastikbindung mit Farbkopien. August 2001

MANDL, Franz: Der Schladminger Gletscher im Wandel der Zeit. In: Da schau her. Die Kulturzeitschrift aus Österreichs Mitte. 20. Jg. (1999) H. 4, S. 34-38.

 

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_1999.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2003.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2006.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2007.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2008.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2009.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2010.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2011.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2012.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2013.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2014.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2015.htm

 

 

Ergänzungen vorbehalten!

Meinungen zu diesem Bericht senden Sie bitte an: franz.mandl@anisa.at 

© Alle Rechte vorbehalten! Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Fotos von © Franz Mandl/ANISA

 

 

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