am 01.07.2017 ins Netz gestellt. Forschungsberichte der ANISA für das Internet. 1, 2017 (ANISA FB 1, 2017)

 

 

Ski-Massentourismus mit erhöhter Umweltbelastung in den Alpen

Am Beispiel Haus im Ennstal und Schladming-Planai

Steiermark, Österreich

von Franz Mandl

 

 

Warum sollten sich die Tourismusorte in den Alpen über Umweltverschmutzung und Naturzerstörung Gedanken machen, wenn es sich um den eigenen Profit handelt? Bisher wurden Berichte der Europäischen Kommission zur Gesundheit oder anderer Umweltschutzorganisationen schlichtweg ignoriert, auch dann, wenn in der EU jährlich 430.000 Menschen durch Feinstaubbelastung sterben. Verursacht auch durch die millionenfachen Autozufahrten in die letzten Naturparadiese der Alpen. (Zahlreiche Europäer sind immer noch gesundheitsschädlicher Luftverschmutzung ausgesetzt. http://www.eea.europa.eu/de/pressroom/newsreleases/zahlreiche-europaeer-sind-immer-noch 03.06.2016).

 

Bisher fahren die Touristen mehrheitlich mit dem eigenen Auto in den Urlaub. Ganz klar, aus Gründen der Bequemlichkeit bzw. mangels attraktiver Alternativen. Meist warten schon die reservierten Parkplätze auf dieses Klientel. Noch immer werden für diese autofahrenden Gäste Parkhäuser gebaut bzw. der Umwelt riesige unverbaute Flächen für Parkplätze abgerungen. Alternativen werden kaum überlegt. Und doch wäre dieses Problem zu lösen, wenn sich Tourismus und öffentliche Hand attraktive Zufahrtsmöglichkeiten überlegen würden. Gesamtpakete mit Liftkarte und Zubringer aus den Heimatorten - insbesonders aus dem Ausland - wären ein Angebot, das ausgebaut gehört. Doch so einfach wird diese Überlegung nicht umgesetzt werden können, da es überall Privatinteressen zu verteidigen gibt. Stattdessen werden höchstwahrscheinlich noch über längere Zeit die Feinstauberkrankungen in Kauf genommen werden. Von der mitverursachten Klimaerwärmung und den daraus resultierenden Umweltkatastrophen ganz zu schweigen.

 

 

Verbrauch von Naturraum

Dieser ist laut Touristiker sehr gering und beträgt in Tourismusräumen lediglich bis zu 5%. Er wird als marginal bezeichnet. Verdrängt wird aber, dass mit Seilbahnen, Pistenplanierungen, Verkabelungen, Verrohrungen, Verhüttelungen, Güterwegebau, die Naturräume zerschnitten und zerstückelt werden. Was ist ein Naturraum noch Wert, der in vielen kleinen Parzellen aufgeteilt wird oder worden ist? Wie hoch ist diese Entwertung einzuschätzen? Von einer unangetasteten Natur kann keine Rede mehr sein, aber von einer geschundenen, zerstörten Natur schon einmal auf jeden Fall.

 

 

 

Weltcup Planai Schladming 2017

 

Aus der Sicht des Umweltschutzes ein trauriges Jubiläum. 20 mal zusätzliche Feinstaubbelastung durch die Großveranstaltung des Schladminger Nachtslaloms. 20 mal zwischen 30000 und 50000 Zuschauer vor Ort. 20 mal Verkehrsstaus durch 4000 Pkw und 400 Busse. 20 mal bengalische Feuer. 20 mal Vorführung prominenter Persönlichkeiten. 20 mal Profit vor Gesundheit und Umweltschutz. online 25.01.2017: http://www.kleinezeitung.at/sport/wintersport/skialpin/5159009/SkiWeltcup-in-Schladming_Kristoffersen-siegt-vor-Marcel-Hirscher

 

 

 

Schladminger Nachtslalom 2017

 

 

 

Einer der Parkplätze des Skizentrums Hauser Kaibling in der Steiermark. Winter 2016/2017

 

 

 

Die beinahe ausgetrocknete Enns im Winter 2016/2017. Wasserentnahmestelle für die Schneekanonen für Haus.

Für die Schneeerzeugung wird Wasser aus Bächen und Flüssen in großen Mengen abgepumpt. Aber nicht nur Wasser wird für die Kunstschneeerzeugung benötigt, sondern auch sehr viel elektrische Energie. Diese Energie stammt auch von Wasserkraftwerken dieser Gewässer, die dann unter Wassermangel leiden.

 

 

Ski-Massentourismus und Umweltbelastung 2017

 

Und schließlich sind es noch die kleinen und die großen Feste der Touristen-Saisonen, die die Umweltsituation unnötigerweise verschlechtern. Unzählige Feuerwerke zu Silvester, aber auch bei den wöchentlichen Gästebegrüßungen erzeugen ebenfalls (giftigsten) Feinstaub.

 

 

 

Fotos: Franz Mandl

 

Meinungen an: franz.mandl@anisa.at

 

 

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