Der natürliche Verfall einer Almhütte. Plankenalm, Dachsteingebirge

Ein zeitgeschichtliches Ereignis als Beispiel zur experimentellen Archäologie

© Franz Mandl

 

Der Verfall einer Almhütte kann unterschiedlich ablaufen. Meist wird er durch anthropogenen Einfluss beschleunigt. Dies geschieht vor allem auf bewirtschafteten Almen, wo das Holz zum Heizen oder als Baumaterial verwendet wird. Unser Objekt unterlag dem natürlichen Verfall. Auf der Plankenalm wurde in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts der Sennereibetrieb eingestellt. Einige Almhütten wurden nicht mehr benötigt und der Verfall konnte voranschreiten. Sobald das Dach undicht geworden war, beschleunigte sich der Verfall. Vor allem die Legschindeldächer benötigen jährliche Ausbesserungsarbeiten. Der Schneedruck ist ein weiterer Zerstörungsfaktor, wenngleich der von November bis Mai liegende Schnee  durch seine Kälte das Holz konserviert. Daher kann der Vermorschungsprozess nur etwa 6 Monate im Jahr  voranschreiten. Bei den abgebildeten Hütten begann der sichtbare  Verfall vor etwa 50 Jahren, etwa 10 Jahre nachdem sie verlassen worden waren.  Im Tal wäre der Verfall wahrscheinlich schon abgeschlossen, da die Durchschnittstemperatur um einige Grade höher und die konservierende Schneemasse viel geringer ist. Einige Fotos sollen den natürlichen Verfall dieser Hütte mit dazugehörendem Stall (Trempel) im Hintergrund dokumentieren. 

Die Hütte (Objekt 201) wurde dendrochronologisch datiert. 1. Bauphase 1680, 2. Bauphase 1797. Die Bewirtschaftung der Hütte endete 1947. (MANDL, Franz: Der Verfallprozess verlassener Almhütten. Eine Fotodokumentation. In: Dachstein. Vier Jahrtausende Almen im Hochgebirge. Band 1. Hrsg. v. Günter Cerwinka u. Franz Mandl. Gröbming 1996. (= Mitt. d. ANISA, 17 (1996) Heft 2/3). S. 97 ff.)

 

 

Plankenalm_ANISA_TRAUTENFELS_2016

Franz Stadler hat die Almhütte (Müllnerhütte) 1977 aufgenommen. Aus: Steirische Almsiedlungen im Dachsteingebiet. Bauen - Wohnen - Gestalten. FS. f. O. Moser. [=Schriftenreihe des Landschaftsmuseums Schloß Trautenfels am Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum. Bd. 2] Trautenfels 1984, 94.

 

Verfallsvorgänge:

1947 endete die Benützung der Hütte.

Nach 10 Jahren wurde das Dach undicht, das Holz in der Hütte begann zu morschen.

Die Feuchtigkeit konnte nur schlecht aus der Hütte entweichen.

Gleichzeitig wurden die unteren und oberen Ringe des Blockbaus morsch.

Die sechsmonatige Schneelast drückte Jahr für Jahr das morschende Dach weiter ein.

Nach 25 Jahren begann das Dach einzubrechen und der untere Ring des Blockbaues nachzugeben.

Nach 60 Jahren war das Dach eingestürzt und der Blockbau zur Hälfte vermorscht.

Im Hütteninneren bildete sich eine Humusschicht, vermischt mit Einrichtungsgegenständen und Befestigungsmaterial.

In den letzten Jahren entstand im Hütteninneren über der alten neuzeitlichen Kulturschicht der Bewirtschaftungsphase eine neue lockere Verfallskulturschicht.

Bis nur noch der Steinkranz des Fundaments zu sehen sein wird, werden voraussichtlich weitere 40 Jahre vergehen.

 

Almhütte (Objekt 201), mit Pfettendach ("Ansdach" - alle Pfetten sind so stark wie die Firstpfette) und Legschindeldeckung ("Schwardach"), Plankenalm 1978

 

Almhütte (Objekt 201), östlicher Teil, Plankenalm 1980

 

Almhütte (Objekt 201), Plankenalm 1980, westlicher Teil. Im Hintergrund steht der dazugehörende "Trempel" (Stall)

 

Almhütte (Objekt 201), Plankenalm 2007. Im Hintergrund erkennt man die Reste des dazugehörenden Stalls

 

Pfetten des ehemaligen Legschindeldaches (Objekt 201). Plankenalm 2007

 

Plankenalm Almhuettenverfall, 2012, 2 ANISA

Almhütte (Objekt 201), Plankenalm 2012. Im Hintergrund erkennt man die Reste des dazugehörenden Stalls

 

Plankenalm Almhuettenverfall, 2012, 1 ANISA

Pfetten des ehemaligen Legschindeldaches (Objekt 201). Plankenalm 2012

 

2007: Die Hütte wurde immerhin 267 Jahre lang bewohnt. Damit eine Hütte ein solch hohes Alter erreichen kann, bedarf es laufender Instandhaltungsarbeiten. Vor allem die Legschindeldeckung muss jährlich kontrolliert und ausgebessert werden. Der unterste Ring des Blockbaus darf nicht von Erde bedeckt werden. Dies ist bei ständiger Benützung leicht durchführbar. Sobald jedoch eine Hütte nicht mehr benützt, d.h. belüftet und beheizt wird,  und sie nicht mehr repariert wird, setzt der Verfall ein. Seit 1947 sind 60 Jahre vergangen. Nur noch vier der acht Ringe des Blockbaus sind vorhanden. Bis auch diese verschwunden sein werden, werden weitere Jahrzehnte vergehen. Mehrere Hüttenreste auf einigen Almen des Dachsteingebirges (Langkaralm) und des Toten Gebirges (Angereralm) bestätigen diesen langsamen Verfallsprozess von Blockbauten ohne Eingriff des Menschen. 

2012: Der Hüttenrest bzw. Blockbaukranz hat in den 5 Jahren seit 2007 ca.10 cm durch Vermorschung an Höhe verloren.

 

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