Beitrag wurde am 23.09.2026 ins Netz gestellt. Aktualisierung: 24.09.2026

© ANISA, Verein für alpine Forschung, Austria

 

Forschungsberichte der ANISA für das Internet. 1, 2026 (ANISA FB 1, 2026)

 

 

Die Gletscherberichte, Gletscherzustandsberichte und Gletschermessungen der ANISA versuchen mit vielfältigen Bilddokumentationen den Klimawandel und die Auswirkung der Gletscherbewirtschaftung auf die Umwelt sowie auf das sich dadurch wandelnde Landschaftsbild zu veranschaulichen. Sie wollen die Glaziologie, die insbesondere auf den Dachsteingletschern unter mangelnder Kontinuität leidet, bereichern und ergänzen. Die Mitglieder der ANISA liefern im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit Forschungsansätze, Fotografien, Messmarken und unterstützende Dokumente für die Glaziologie und für interessierte Wanderer und Bergsteiger.

 

 

Gletscherbericht 2026

Schladminger und Hallstätter Gletscher

Dachsteingebirge

Oberösterreich und Steiermark

 

von Franz Mandl

 

 

Einleitung

28 Jahre Dokumentation des Schladminger und Hallstätter Gletschers der ANISA, Verein für alpine Forschung

Eine kleine Zeitreise: 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2020, 2021, 2022, 2023, 2024, 2025, 2026. Zusammenfassend muss leider konstatiert werden, dass ab dem 1966 bis 1969 erfolgten Bau der Dachsteinsüdwandseilbahn der Schladminger und der Hallstätter Gletscher zur Müllkippe degradiert wurde. Tausende Fotografien können dieses Zerstörungsszenario belegen. Auch gegenwärtig wird der Gletscher von Pistenraupen und Baggern weiter belastet. Massentourismus und Natur stehen im krassen Gegensatz zueinander. Lässt sich das alles mit einem Naturschutzgebiet vereinbaren? Wir dokumentieren die Vorgänge auf den bewirtschafteten Gletschern. Die Fotografie hält dieser Wirtschaftsform einen Spiegel vor.

 

Das Dachsteingebirge inmitten von Österreich ist Teil der Nördlichen Kalkalpen, die sich von Wien bis zum Bodensee erstrecken. Im Norden davon liegt der weltbekannte Ort Hallstatt und im Süden die steirische Ramsau. Das Gestein im Gletschervorfeld besteht zum überwiegenden Teil aus gebanktem Dachsteinkalk (Geologische Karte der Dachsteinregion, Wien 1998). Die sieben abschmelzenden Dachsteingletscher sind die östlichsten Gletscher der Alpen und befinden sich in einer Höhe zwischen 2320 m und 2860 m. Die intensive wirtschaftliche Nutzung hat vor allem dem Schladminger und dem Hallstätter Gletscher zugesetzt. Obwohl im Naturschutzgebiet liegend wurden sie im Laufe der Bewirtschaftung verschandelt und mit umweltschädlichen Materialien kontaminiert.

 

 

 

 

Der Schladminger Gletscher mit Gletschervorfeld, Koppenkarstein, Hunerkogel, Gjaidstein, Dirndl und Hoher Dachstein.  Foto: August 2026 ANISA/Mandl

 

 

Gletscherbegehungen und Gletschermessungen 2026

Im Bereich der ANISA-Messlinie ist möglicherweise noch ein bis zu 30 m tiefes Karsttal mit 80 m hohem Eis überdeckt. Das bedeutet, dass der Gletscherrückgang einer Hangstufe nach unten folgt. Der Gletscher bzw. das Toteis schmilzt in ein seichtes Tal hinab. Hier wandert der Gletscher jedes Jahr weiter nach unten. Eine einmalige Situation im Alpenraum. Bei den Messungen muss auch die Hangneigung zur Nordwand des Koppenkarsteins berücksichtigt werden. Die Ausdünnung und der damit in Zusammenhang stehende Volumensverlust des Gletschers sind erheblich.

 

Schladminger Gletscher, ANISA-Messlinie am Koppenkarstein 2026

Die Messlinie der ANISA zieht sich vom Messstein mit  der Kote von 1947, die in der Österreich Karte von 1933 eingetragen ist bis zur Nordwand des Koppenkarsteins über ein seichtes Karsttal. Das bedeutet, dass sich der Gletscher an einem Gegenhang (Stauhang) zurückzieht, wodurch sich sein Längenrückzug erheblich verlangsamt.

 

Begehungen 2026

Der Schladminger Gletscher war bereits um den  01.08.2026 zu 99 % blank (schneefrei). Zwischen dem 22.9.2025 und dem 20.09.2026 zog sich der Gletscher an der ANISA-Messlinie um 17,47 m zurück. Die Eisdicke nahm unter Berücksichtigung der Hangneigung um 5,35 m ab (UTM T33 397069-5258432, Hand-GPS +/- 2 m). 2026 schmolz der Gletscher von Juni bis Ende September. 2026 gab es neue Hitzekorde. Diese Rekorde bestätigen auch die Gletscher.  

 

 

 

Die jährliche Abnahme der Eisdicke bzw. der Eishöhe wird hier aus der gemessenen Höhenabnahme, der Hangneigung und dem jährlichen Längenrückzug von der Marke des Vorjahres errechnet.

 

 

 

Koppenkarstein-Messlinie der ANISA. Messmarke 2, 2026 mit einem 1 m hohen Eisrand. Die Messung erfolgte am 20.09.2026. Foto: ANISA/Mandl

 

 

Die ANISA-Messlinie auf dem Schladminger Gletscher für Klimadokumentation und Klimaprognose

 

Die seit 1947 gemessenen Abnahme der Eisdicke im Karsttal vor der Koppenkarsteinnordwand ermöglicht eine 78-jährige Klimadarstellung. Rückblick: In den 56 Jahren zwischen 1947 und 2003  zog sich der Gletscher lediglich um 15,35 m zurück und die Eishöhe senkte sich um 11,34 m, das entspricht 0,2 m/Jahr. Dieser langsame Rückzug ist mit der beinahe senkrechten 11,32 m hohen Stauwand und der Stagnation des Gletscherrückgangs zwischen 1947 und 1990 zu erklären. In diesem Zeitraum kam es auch zu kleinen Gletschervorstößen. Noch vor 50 Jahren existierte in diesem Bereich ein steiler Eisrücken hinauf zur Nordwand des Koppenkarsteins. An unserer Messmarke senkte sich der Gletscher zwischen 2000 und 2003 nur um 1,2 m. Denn damals waren die Winterperioden erheblich schneereicher. Der Sommer 2003 war ungewöhnlich warm. Bis 2023 häuften sich die warmen Sommer. In diesen 20 Jahren zog sich der Gletscher um 100,77 m zurück. Die Eisdecke reduzierte sich unter Berücksichtigung der Hangneigung (~13°) um 30,6 m. 2022 senkte sich die Eisdecke an unserer Messmarke sogar um 3,5 m. Auch 2023 wurde die 3-m-Grenze überschritten. 2025 gab es mit einer Reduzierung von 4,03 m einen neuen Rekord, verursacht durch wenig Winterschnee und lange andauernde Hitzeperioden. Die Hangneigung an unserer Messlinie zur Nordwand des Koppenkarsteins  reduzierte sich von 1999 bis 2025 erheblich. Betrug sie 1999 bis zu 20°, so weist sie 2025 im unteren Bereich lediglich noch 10° bis 12° auf. Die durchschnittlichen Jahrestemperaturen haben sich seit 2003 beinahe laufend erhöht.  Die Klimaprognose fällt leider für uns Alpenbewohner sehr schlecht aus.

 

 

Schladminger und Hallstätter Gletscher 2025. Gletscherzustandsbericht, Gletscherbericht. ANISA, Verein für alpine Forschung.

 

 

 

 

In der Österreichischen Karte von 1933, 127/1, wird im weiteren Bereich unseres Messpunktes von 2026 noch eine Höhe von 2600 m angegeben. 2025 beträgt die Höhe im Orthofoto von DORIS 2554 m, das ergibt eine Differenz von 46 m in 92 Jahren. Ewa 100 m vom Messpunkt 2026 gegen Süden befindet sich eine Kompessionslinie bzw. ein massiver Staubereich wo möglicherweise Alteis von neueren Gletschervorstößen überfahren wurden. Hier sollte, bevor das Eis gänzlich abgeschmolzen ist, eine Eiskernbohrung durchgeführt werden.

 

Der heutige Rest des Schladminger Gletschers liegt in einem seichten Karsttal, das wiederum von Karstgassen durchzogen ist. Dieses seichte Tal fungiert vor der direkten Wärmeeinstrahlung als schützende Isolierwanne. Der Gegenhang hindert das Eis am Weiterfließen. Hier entstand eine mächtige Stauzone. Wäre diese begünstigte Lage nicht vorhanden, gäbe es nur noch wenige Eisflecken unterhalb der Nordwand des Koppenkarsteins. Trotzdem wird diesem Eislager angesichts der gegenwärtigen Absenkung der Eisdicke von derzeit 3 bis 5 m pro Jahr nur noch eine Lebensdauer von ca. 20 Jahren beschieden sein. An diesen einstmals mächtigen Gletscher werden dann nur noch einige mit Eis gefüllte Dolinen und Moränenschotter erinnern.

 

 

Der derzeit 40 m hohe senkrechte Erosionswand des Koppenkarsteins (Nordwand) belegt einen höheren Gletscherstand als heute. Dieser wurde um 1850 sogar übertroffen. Noch zur Zeit Friedrich Simonys um 1885 reichte der Gletscher bis zur Erosionskante. Nach dem Rückgang des Gletschers ist die glatte Erosionswand sichtbar geworden. Sie beginnt nach dem steilen eiszeitlich geprägten Gipfelhang mit einer auffallenden Kante, die in die senkrechte Erosionsstufe überleitet. Die Kante belegt den durchschnittlichen Gletscherstand des Holozäns (die Zeit nach der Eiszeit bis heute), zu dem auch die Kleine Eiszeit (1600 bis 1850) gezählt wird. Die Erosionswand belegt aber auch, dass seit dem Ende der Eiszeit der Gletscherstand nur mit wenigen Unterbrechungen bis an die Erosionskante reichte.

 

 

 

Der Schladminger Gletscher mit Koppenkarstein und der ausgeprägten Erosionskante.  Foto: 2026 ANISA/Mandl 

 

Im letzten Maximalstand vor 175 Jahren hatte der Schladminger Gletscher eine Eishöhe von bis zu 200 m. Wären in diesen 175 Jahren jedes Jahr eine 3,5 m hohe Eisschichte, wie dies bereits mehrmals in den letzten Jahren passiert ist, abgeschmolzen, hätte der Gletscher eine Eisdicke von 612 m vor seinem gänzlichen Abschmelzen haben müssen. Oder anders dargestellt, hätten wir unseren Gletscher in 57 Jahren, also bereits 1907, verloren. Wir haben heute einen Gletscherstand, wie er nach der letzten Eiszeit zwischen 8000 bis 4000 v. Chr. möglich war. Damals aber hatten die Gletscher eine Ablationszeit inklusive mehrerer Schwankungen von mehreren Tausenden von Jahren. Es ist auch nicht für alle Gletscher der Alpen belegt, dass sie damals gänzlich abgeschmolzen waren. Vielmehr ist bei einigen Gletschern mit Toteisresten zu rechnen, die die Zeiten überdauert haben. Wir befinden uns gerade in der Endphase einer Zeitspanne, in der der 4000-jährige Gletscherrückgang seit der neolithischen Revolution mit ihren Brandrodungen quasi im Zeitraffer gebündelt abläuft. Den Leugnern des Klimawandels in der Dachsteinregion sei gesagt, dass die Dachsteingletscher auf Grund des von uns Menschen verursachten Treibhauseffektes dahinschmelzen. Dieses Gletschersterben kann man nicht mehr nur mit natürlichen Ursachen erklären. Den gegenwärtigen rapiden Temperaturanstieg hat es im Holozän bisher nicht gegeben. (WADSAK, Marcus: Klimawandel gibt es nicht. Wien 2025).

 

 

Gletscher Neuigkeiten und Informationen 2026

 

 

Der Hallstätter Gletscher am 27.08.2026, vom Hohen Gjaidstein (2794 m) aus gesehen. Der Eisstein (2654 m), eine Felseninsel im Hallstätter Gletscher, die um 1850 nur wenige Meter aus dem Eis ragte und bis 2026 vom Gletscher umschlossen war, ist 2026 im Nordbereich zur Gänze Eisfrei geworden. Ein eisfreier Zugang ist nun von Norden durch groben Schutt und über Gesteinsstufen möglich. Im oberen Bereich zwischen Dirndl und Hohem Dachstein sind derzeit noch Eismassen von immerhin 70 m Tiefe zu erwarten. Foto: ANISA/Mandl

 

 

 

Etwa 100 m nördlich des Eispalastes in der Nähe des Hunerkogels konnten in den Klüften und Ritzen des gebankten Dachsteinkalks, wo 2026 das Eis abgeschmolzen ist, massive schwarze Sedimente festgestellt werden. Da in diesem Bereich über Jahrzehnte Lifte betrieben worden sind, wäre zu klären, ob es sich bei diesen Sedimenten um touristischen Abfall oder um alte Erdeinschlüsse handelt.

 

 

 

Eispalast mit Sonnenschutzplanen. Foto: 2026, ANISA/Mandl

 

Bereits 2018 wurde im Eispalast, einer Einrichtung für den Massentourismus, eine Datierung des Alteises von Andrea Fischer im Auftrag gegeben. Ein Eisblock zeigte ein Alter von ca. 4000 Jahren BP (ca. 2000 v. Chr.). Das Ergebnis belegt, dass zur Zeit unserer Nachweise einer hochalpinen Besiedlung in der Bronzezeit , Gletscher auf dem Dachsteingebirge vorhanden waren. TC - Investigating cold based summit glaciers through direct access to the glacier base: a case study constraining the maximum age of Chli Titlis glacier, Switzerland. Gernot Patzelt hat bereits 2001 Erdproben aus dem Staubereich des Taubenriedels datieren lassen, was das obige Ergebnis untermauert. https://www.anisa.at/Patzelt_Dachstein_2019%20pdf%20ANISA.pdf 

 

 

 

Messlinie der ANISA am Koppenkarstein, Randkluft. Eisprofil mit Erdeinschlüssen. Foto: 20.09.2026, ANISA/Mandl

 

 

 

Schladminger Gletscher. Gletscherabsenkung an der Nordwand  des Koppenkarsteins im Bereich der Austriascharte. Das Bild belegt ebenfalls die Eisablation. In den 1970er und 1980er Jahren reichte der Gletscher noch bis zum Rosmarie-Stollen hinauf. Heute ist der Stollen nur noch über Randspalten und über einen 30 m hohen Klettersteig bzw. eine Leiter aus Eisenklammern erreichbar. Zudem schmolz das Eis 2026 um weitere 10 m ab.  Der Standplatz zum Einstieg würde noch tiefer liegen, wäre nicht dort mit Pistenraupen immer wieder Schnee angehäuft worden. Foto: 2026, ANISA/Mandl

 

 

 

Der Windtrichter bzw. Windkolk an der Nordseite des Niedere Dirndls beginnt sich aufzulösen. In den Spalten und Klüften liegt Müll. Foto: 2026 ANISA/Mandl

 

 

Gjaidsteinsattel 2026:

Gjaidsteinsattel, 2630 m. In der Karte von Hübner (1899) liegt der Sattel auf 2649 m. Der Gletscher reichte um 1850 bis zur 2668 m hoch gelegene Kuppe, auf der heute ein Strommast steht. 

2026 hat sich der Hallstätter Gletscher vom Schladminger Gletscher getrennt. Nun haben Bagger und Pistenraupen den entstandenen engen Steindurchgang verbreitert, um wie schon 2025 befürchtet den Weg für Touristen und Pistenraupen zum Hallstätter Gletscher und weiter zur Jausenstation Seetalerhütte passierbar zu erhalten.

 

 

Blick vom Hunerkogel über den Eispalast mit seinen Sonnenschutzplanen zum Gjaidsteinsattel und Hallstätter Gletscher. Foto: ANISA/Mandl, 20.09.2026

 

 

 

Gjaidsteinsattel. Das auf Alteis aufgebrachte Eisgranulat wurde vom Hallstätter Gletscher mit der Pistenraupe hinaufgeschoben.  Im Hintergrund ist der Eispalast mit seinen Sonnenschutzplanen zu sehen. Foto: ANISA/Mandl, 02.08.2026

 

 

 

Gjaidsteinsattel.  Zugang vom Hallstätter Gletscher. Im Hintergrund ist der Eispalast zu sehen. Foto: 20.09.2026, ANISA/Mandl

 

 

Die 2025 und 2026 ausgeaperten Reste eines Bauwerks aus der Frühzeit der Gletscherbewirtschaftung auf dem Hallstätter Gletscher

Gletscherbewirtschaftung erfolgte fernab von der Müllabfuhr im Tal. Gletscherspalten und Randklüfte waren über Jahrzehnte dankbare Müllschlucker. Im Glauben an die Ewigkeit des Gletschereises entledigte man sich des Abfalls unbesorgt in Gletscherspalten. Der Müll der Vergangenheit apert in der Gegenwart aus und bezeugt  ein schweres Umweltdelikt in einem Naturschutzgebiet.  Die Menschen in der schönen Ramsau wollten die vor der Umweltzerstörung warnenden Stimmen nicht hören. Falls jemand laut sagte, dass es so nicht gehe, wurde er rasch mundtot gemacht. Klimaerwärmung und Umweltschutz waren in den 1970er Jahren nämlich durchaus schon ein Thema. Schneite es, so wurde das Ereignis als Bestätigung des normalen Wetters und Klimas freudig aufgenommen. Im Volksgauben sind das Wetter und das Klima ohnedies dasselbe!

 

Am 20.08.2025 meldeten diverse Medien - darunter auch der ORF -, dass die Reste eines Liftes aus Holz gefunden worden seien. Wir vermuten jedoch, dass es sich dabei um eine Unterstands- und Servicestation der Gletschertaxis, die in den 1970er und 1980er Jahren Rundfahrten für Touristen anboten, handeln könnte (Gletschertaxi Sammelstelle). Oder einer Lifthütte deren Reste hierher transportiert wurden. Dafür sprechen mit Glaswolle isolierte Wände, eine geschützte Abstelleinfahrt, Massive Holzpfosten und Ziegel, doch vor allem der noch heute intensive Treibstoffgeruch. Die Verfärbungen im Eis belegen ebenfalls die Servicetätigkeit an Motoren. Die ausgeaperten Teile der Hütte wurden 2025 vom Gletscherbewirtschafter mehrmals entfernt. Am 15. und am 22. September 2025 lagen einige Bauziegel, Holzreste, Plastikteilchen und mehrere mit Benzin und Öl getränkte Punktekarten der Dachstein Fremdenverkehrs AG im verschmutzten Gletscherwasser. Möglicherweise waren die Punktekarten auch für die Gletschertaxis gültig. Vielleicht befand sich das Bauwerk weiter oben am Gjaidsteinsattel. Es ist anzunehmen, dass sich das Objekt nach seiner Deponierung in den letzten 45 Jahren in Fließrichtung des Gletschers gegen Nordwesten mehrere 10 m verschoben hat. Die nun ausgeaperten Teile des Bauwerk liegen auf einer Fläche von 20 m x 10 m verstreut. Ob sie zuvor in eine Spalte entsorgt worden sind, ist ebenso möglich. Wären sie an der Oberfläche geblieben, hätten sie nicht so lange im Gletschereis verbleiben können. Oder sie wurden erst in den 2000er Jahren hierher verfrachtete. Quellen: Prospekte des Verkehrsvereins, Ramsau am Dachstein/Ansichtskarten/Fotografien/PUTZ, Erwin: Im Dachstein Südland, 1973/SCHNEIDER, Wolf: Die Alpen, GEO 1984/LAMM, Reinhard: Natur Erlebnis Dachstein, 1989/THALLER, Heribert: Ramsau am Dachstein. Schladming o.J. (1997)/ZÄNGL, Wolfgang, HAMBERGER, Sylvia: Gletscher in Treibhaus, 2004/MANDL, Franz: Alpen Archäologie Geschichte Gletscherforschung, 2006/REITMAIER, Thomas: Gletscher Archäologie, 2021/Flugfoto von 2015.

 

 

Schladminger und Hallstätter Gletscher 2025. Gletscherzustandsbericht, Gletscherbericht. ANISA, Verein für alpine Forschung.  

 

Hallstätter Gletscher am 19.08.2025. Das gelbe X kennzeichnet den Fundplatz. Foto: ANISA/Mandl, 19.08.2025

 

 

 

Hallstätter Gletscher am 02.08.2026. Auch 2026 schmolzen weitere Reste von kontaminiertem Eis mit Brennstoffen und Gegenständen aus dem Mülldepots. Stinkende Benzinrückstände im eingefärbten Eis verdunsten noch immer. Foto: ANISA/Mandl

 

 

 

Umkleide- Wachs- und Wärmekabinen für den Langlauf 2006 auf dem Hallstätter Gletscher. Foto: 2006 ANISA/Mandl

 

 

Der untere Gletschersee am Schladminger Gletscher

2003 bildete sich eine Lacke im Bereich der Talstation des Schladminger Liftes. Diese erweiterte sich bis 2009 gegen Süden. 2010 entstand südlich davon eine größerer Lacke, die sich bis 2024 zu einem Gletschersee vergrößerte. 2011 floss die nördlich gelegene Lacke durch den aufgetauten Boden bzw. durch eine Schwinde ab. 2025 geschah dasselbe mit dem Gletschersee. Zumindest vorerst ist er zur traurigen Geschichte geworden. Denn auf seinem derzeit noch übrig gebliebenen eisigen Seegrund liegt eine dicke Schmutzschichte.  Diese setzt sich vor allem aus Rückständen des Skibetriebes auf den Gletschern zusammen. Ein geringerer Anteil ist dem Ferneintrag zuzuschreiben. Erwin Putz schreibt bereits 1973 in seinem Buch Im Dachstein-Südland über die Dachsteinerschließung kritische Worte: Woran ich mich nicht gewöhnen kann, das sind der Ölgeruch und der Lärm auf dem Gletscher sowie Tausende Autos auf den besten Almflächen.

 

 

Dachstein, Dachsteingebirge, Dachsteingruppe, Dachsteingebiet, Schladminger und Hallstätter Gletscher 2025. Gletscherzustandsbericht, Gletscherbericht. ANISA, Verein für alpine Forschung, 2003,

 

An den 2003 entstandenen Lacken wies der Gletscherrand bereits eine mehrere Zentimeter hohe Schmutzrinde auf. Schon damals war das ein Thema der Umweltdiskussion (MANDL, F., 2006, 202-254). Die schwarzen  Sedimentschichten in diesem Bereich stammten überwiegend von den Antriebsmotoren des Schladminger Liftes. Im Laufe der folgenden Jahre wurden diese Schmutzschichten teilweise mit dem in Schwinden abfließenden Schmelzwasser weggeschwemmt. Ein Teil könnte in den südlich davon neu entstandenen Gletschersee eingetragen worden sein.  Foto: 2003, ANISA/Mandl

 

 

 

Unterer Gletschersee nach dem Abtauen des Winterschnees. Der See existierte von 2008 bis 2025. Zwischen 28.08. und 05.09.2025 ist er abgeflossenen. Übrig blieben eine von Pistenraupen über Jahrzehnte zusammengeschobene schwarze Schmutzrinde und eine durch Starkregenereignisse eingeschwemmte kontaminierte, geknetete, leicht radioaktiv verseuchte Mischsubstanz. Besonders augenfällig sind die umgewandelten Rückstände von Altöl in Form von kleinen mit anderen Feststoffen wie Schiwachs vermengten Fettklümpchen. Deren natürlicher Abbau verlangsamt sich auf dem Gletschereis und bei tiefen Durchschnittstemperaturen. Insgesamt handelt es sich hier um eine giftige Sedimentierung der Rückstände der die Umwelt ignorierenden Gletscherbewirtschaftung der ersten Jahrzehnte. Die Verschmutzung durch Ferneintrag spielt hier nur eine untergeordnete Rolle. Auch 2026 bildete sich bei starker Eisschmelze und Regen eine große Lacke, die jedoch innerhalb von einigen Tagen wieder abfloss. Foto: 2026 ANISA/Mandl Foto: 2026 ANISA/Mandl

 

Ein Teil der Lifte auf dem Schladminger Gletscher wurde 2023 abgebaut. Die rasante Eisabsenkung hatte zuvor zu immer wiederkehrenden Anpassungen der im Eis schwimmenden Liftstützen gezwungen. Die Schneedepots neben der Nordwand des Koppenkarsteins wurden 2024/25 aufgegeben. Zusammenfassend kann während der 57-jährigen Bewirtschaftung des Schladminger Gletschers ein erheblich nachteiliger Eingriff durch Verschmutzung, Vermüllung und Baggerarbeiten beobachtet werden. Der Mitterstein Sessellift wurde 2026 nicht wie versprochen abgebaut.

 

 

Die Wege der Pistenraupen und Bagger auf dem Schladminger Gletscher

Pistenraupen haben in den letzten Jahren auf dem Schladminger Gletscher nicht nur die schwarze Schmutzrinde großflächig abgetragen, sondern dadurch auch die Ablation beschleunigt. Riesige Eisflächen wurden so verschoben und der Sonne zum schnelleren Schmelzen vorgelegt. Das nennt man Gletschermanagement im hochalpinen Raum bzw. auf hohem Niveau. Erwähnt sollte noch werden, dass sich die bearbeiteten Flächen in einem Naturschutzgebiet und im UNESCO Naturerbe befinden. 

 

 

 

Für den Massentourismus werden begehbare Wege mit Pistenraupen und Baggern auf den Dachstein-Gletschern errichtet. Foto: 2026 ANISA/Mandl

 

 

 

Die neue 2026 errichtete Auffahrtsrampe zur Bergstation. Abgetragenes Eis vom Schladminger Gletscher wird beinahe täglich auf die Trassen und Rampen geschoben. Foto: 2026 ANISA/Mandl

 

 

Gletscheransichten 2026

 

 

Der Eispalast wird angebaggert. Foto: 2026 ANISA/Mandl

 

 

Zeitgeschichte Archäologie

Müll auf und im Hallstätter Gletscher

 

 

Eine Gletscherspalte als Mülldepot auf dem Hallstätter Gletscher. Foto: 2026 ANISA/Mandl

 

 

 

Gletscherspalte als Mülldepot auf dem Hallstätter Gletscher. Plastik, Batterien, Wachstuben für den Langlaufski-Betrieb, Dosen und giftige schwarze Substanzen liegen in Spalten und auf dem offenen Gletscher herum. Warum wird der Hallstätter Gletscher nicht endlich fachgerecht gereinigt?  Foto: 2026 ANISA/Mandl

 

 

 

Gletscherspalte als Mülldepot auf dem Hallstätter Gletscher. Foto: 2026 ANISA/Mandl

 

 

 

Gletscherspalte als Mülldepot auf dem Hallstätter Gletscher. Foto: 2026 ANISA/Mandl

 

 

 

Randkluft mit entsorgtem Liftbügel aus den 1979er Jahren auf dem Hallstätter Gletscher. Foto: 2026 ANISA/Mandl

 

 

Klimawandel durch die anthropogene Klimaerwärmung

Wie erklärt man die derzeitige rasante Klimaerwärmung?

Während sich früher nachhaltige Klimaänderungen in Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden vollzogen haben, ist nun eine anthropogene Warmzeit angebrochen, die im alpinen Raum bereits in wenigen Jahrzehnten eine noch nie dagewesene beschleunigte Temperaturerhöhung aufweist. Die in den Ostalpen bereits überschrittene Temperaturerhöhung von 2° C ist ein Zwischenwert, der sich weiter erhöhen wird. Im Volksglauben greift man lieber auf das Prinzip des Hl. Florian zurück, um sich vor Katastrophen zu schützen. Nur, diese Klimaerwärmung führt trotzdem zu gehäuften Starkniederschlägen und Stürmen mit zerstörerischen Folgen.

 

 

 

Der Winter im Vergleich seit 1767: Dargestellt sind die überdurchschnittlich warmen (rot) und kalten (blau) Winter seit 1767 im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961-1990, basierend auf GeoSphere Austria HISTALP-Daten Tiefland. Schwarz eingezeichnet ist die geglättete Trendlinie. © GeoSphere Austria. Temperaturverlauf von 1760 bis 2026. Quelle: GeoSphere Austria (ZMAG)

Dementsprechend schmelzen nun unsere Gletscher rascher ab. Von einstmals annähernd 1 m Rückgang der Eisdicke pro Jahr im unteren Gletscherbereich sind es in den letzten Jahren auf dem Schladminger Gletscher im oberen Bereich durchschnittlich 3 m geworden. Diese Eisdickenabnahme korreliert mit dem abgebildeten Temperaturverlauf von 1760 bis 2025. Quelle: GeoSphere Austria (ZMAG). Der derzeit verwendete Durchschnittswert der Eisdickenabsenkung unserer Alpengletscher wird seit dem Maximalvorstoß um 1850 mit ~1 m angegeben ( FISCHER, A., 2023, 30).

 

Anmerkung zur Gletscherforschung

Die Dokumentation des Längenrückzugs und der Absenkung der Eisdecke des Gletschers sind einfache Tätigkeiten, die durchaus ehrenamtliche Mitarbeiter durchführen können. Was für die Dachsteingletscher jedoch fehlt, sind Sedimentanalysen und Gletschereisdatierungen. Hier könnte man wichtige Ergebnisse zu Bodenbedeckung, Gletschergeschichte und Kontaminierung erhalten. Die ANISA hat schon 2001 mit Prof. Dr. Gernot Patzelt am Rande des Hallstätter Gletschers Radiokohlenstoffdatierungen durchgeführt. 2019 ist darüber ein Beitrag von G. Patzelt in www.anisa.at, Gernot Patzelt: Die prähistorische Gletscher- und Vegetationsentwicklung im Bereich des Hallstätter Gletschers. (Dachsteingruppe), 2019. (pdf 3,5 MB) erschienen.

 

 

Zusammenfassung und Ausblick

 

Die ANISA-Messlinie wurde zwischen der Höhenkote des Alpenvereins von 1947 und der Koppenkarsteinnordwand fixiert. 1998 war der mit roter Farbe markierte Punkt der Kote nur noch schwach zu erkennen. Um diese historische Markierung nicht zu verlieren, wurde diese Marke inzwischen mehrmals nachgemalt. Einige Meter nach dieser Markierung wurde von der ANISA ein Bohrloch für einen Messnagel angefertigt und bestückt.

 

Nicht abgeschlossene Abschmelzvorgänge von Gletschern ergeben einen Mix aus dem Messjahr und dem Vorjahr. Unser Ziel war es deshalb, den Beginn des jährlichen Abschmelzprozesses und das Ende knapp vor der winterlichen Schneebedeckung des Kalenderjahres zu dokumentieren bzw. einzumessen. Dadurch erhält man exaktere Daten zum jährlichen Gletscherrückgang.

 

2003 bildete sich erstmals ein kleiner Gletschersee mit einer Schwinde, in die das Wasser abfließen konnte. Mit dem zurückweichenden Gletscher verschwand dieser See und es bildete sich 2010 weiter südlich ein größerer See. Zuerst unauffällig, vergrößerte er sich Jahr für Jahr und erreichte 2021 eine Länge von 100 m. 2023 hatte er bereits einen Durchmesser von 140 m. Sein Abfluss erfolgt ebenfalls durch eine Schwinde. Der Seespiegel blieb aber weitgehend stabil. 2025 floss der See innerhalb weniger Tage durch aufgetaute Klüfte und kleine Schwinden ab und hinterließ eine dicke Schicht verschmutzter Sedimente. Es ist zu befürchten, dass mit dem abfließenden Schmelzwasser auch Giftstoffe in das Trinkwasser gelangen können.

 

Berücksichtigt man im Luftbild als Messpunkte die sichtbaren Moränen, Schotterflächen, Erosionsflächen, Vegetationsgrenzen und den Gjaidsteinsattel, so erreichte die max. Fläche des Schladminger Gletschers mit Einbeziehung der Gjaidsteinosthänge (ohne Berücksichtigung der Horizontalprojektion) 1850  annähernd 3 km². Der Umfang betrug etwa 9 km. (Quelle: Orthofoto, DORIS-Intermap des Landes Oberösterreich, 2015.)

 

Friedrich Simony (1895, 137)  gibt für den Schladminger Gletscher für die Zeit um 1880 eine Fläche von 199 ha an. Erik Amberger/Erwin Wilthum errechneten 1951 für den Schladminger Gletscher folgende Ausdehnungen: 1856/225 ha, 1872/199 ha, 1899/180 ha, 1928/125 ha, 1934/97 ha, 1951/81 ha. Das entspricht einen Flächenverlust von 64% zwischen 1856 und 1951.

 

2026 weist der Schladminger Gletscher eine Fläche von nur noch annähernd 0,48 km² auf. Das entspricht etwa einem Fünftel der ursprünglichen Fläche. (Orthofoto, DORIS-Intermap des Landes Oberösterreich, 2025). Der Eismassenverlust ist als fundamentaler Wert zu betrachten. Da nicht nur vier Fünftel an Gletscherfläche verloren gegangen sind, sondern auch vom verbleibenden Fünftel bereits mehr als die Hälfte abgeschmolzen ist, kann man lediglich von einem verbleibenden Fragment der einstigen Eismasse von 1850 ausgehen. Wegen der fehlenden Werte zu den Eishöhen bzw. mangels der dazu notwendigen verlässlichen Profile sind diese Angaben als Überschlagsrechnungen zu werten. Wesentlich für die Abnahme der Gletschermasse auf unseren Karst- und Kargletschern ist die Abnahme der vertikalen Eisdicke und nicht der Längenrückgang eines Gletschers. Mit Eishöhenprofilen kann die Massenbilanz genauer berechnet werden. Der Hallstätter Gletscher verlor seit 1850 ungefähr die Hälfte seiner Fläche und vier Fünftel seiner Masse. Dennoch kann vermutet werden, dass sich durch den Rückzug auf größere Höhen und die dort herrschenden tieferen Temperaturen der Längenrückzug und der Eismassenverlust verlangsamen könnten. Bei Radartiefenmessungen auf dem Schladminger Gletscher von 2007, die der Bewirtschafter der Gletscher in Auftrag gegeben hatte, wurden immerhin Tiefen von bis zu 130 m erreicht. Falls diese stimmen (man sollte diesen Messungen Ungenauigkeiten zugestehen, da am unteren Gletscherrand angegebene Tiefen von bis zu 50 m inzwischen eisfrei oder beinahe eisfrei geworden sind), wird der Schladminger Gletscher möglicherweise noch in 30 Jahren als kleiner toter Eiskörper in einer Karstgrube an einen Gletscher erinnern.

 

Der vom Koppenkarstein Anfang der 1970er Jahre herabgestürzte Schotter hat 2014 das Gletscherende erreicht. Zwischen Felswand und Schotterkegel entstand in den vergangenen 51 Jahren ein Abstand  von 260 m.

 

Zusammenfassend kann im letzten Jahrzehnt eine verstärkte Abnahme der Eismasse festgestellt werden, die mit der derzeitigen wissenschaftlich belegten anthropogen beeinflussten Klimaerwärmung korreliert.

 

Auf dem etwa 100 m höher gelegenen Gjaidsteinsattel wurden ähnliche Verhältnisse wie bei unseren beiden Messsteinen am Rand des Schladminger Gletschers vorgefunden. 1896 berichtet M. Groller, dass der Grat an der Schneide der beiden benachbarten Gletscher mit einer sehr zerklüfteten und verwitterten Endkuppe (2668 m) unter dem Firn verschwinde. Diese Endkuppe kann nur die Erhebung, auf der heute ein Strommast steht, sein. Die hier 2014 durchgeführte Tachymetermessung ergab ebenfalls die Höhe von 2668 m! In der Gletscherkarte von A. Hübner 1901 reichte das Eis am Gjaidsteinsattel noch bis 2649 m. 2026 trennten sich der Hallstätter Gletscher vom Schladminger Gletscher. Die Hitzewellen des Jahres 2026 waren derart massiv, dass bereits im September eine Unterbrechung von 200 m bestand.

 

 

Humusbildung

Eine ausreichende Humusbildung im Gletschervorfeld der Dachsteingletscher für einen Baumbewuchs dürfte mehrere Jahrhunderte benötigen. Im 170 Jahre altem Randbereich der Moräne und im Gletschervorfeld wachsen derzeit nur angepasste Moose und Pionierpflanzen. Von einer nennenswerten Humusbildung kann erst außerhalb des Gletschervorfeldes gesprochen werden. Diese Böden sind jedoch bereits mehrere Jahrtausende alt. 

 

 

Die Denudationsentwicklung des Dachsteinkalks an den eisfrei gewordenen Bankungen und Karstgassen am Rande des Schladminger Gletschers

Die Denudation der aus dem Eis geaperten Karstgassen ist an deren Seitenwänden geringer als auf deren kantengerundeten Graten. Die in diesen Gassen angesammelten Steine liegen auf dem Eis und weisen eine beachtliche Masse auf, die an den Wänden durch das Mitsinken frische Runsen und Kratzer hinterlassen. Die vom Gletschereis frei gewordenen Karstgassen liegen in einem nur leicht geneigten Gelände in einer wilden zerklüfteten Karstlandschaft quer zum Gletscherabfluss. Das einstige in den Karstgassen und Dolinen gestaute Eis konnte dem oberen Gletscherabfluss nicht folgen. Diese Eislager erreichten Höhen bis zu 30 m. Der Denudationsunterschied zu weiter entfernten Klüften und Karstgassen ist hier viel geringer. Zweifellos ist das 2017 frei gewordene Areal viel länger unter einer Eisdecke gelegen als das hinter der Messmarke von 2003. Mit einer Datierung dieses Denudationsspektrums könnten wichtige Daten zu Langzeitständen des Gletschers und zur Klimageschichte der letzten 12.000 Jahre gewonnen werden. Vgl. dazu den Beitrag zur 12.000-jährigen Klimageschichte auf den Seiten der GeoSphere Austria: https://www.zamg.ac.at/cms/de/images/klima/bild_ip-klimawandel/klimavergangenheit/palaeoklima/3-1_2_zeitreise.

 

 

Glazialerosion

Die Glazialerosion formte ein postglaziales (nacheiszeitliches), hufeisenförmiges Gletscherbett. So entstand ein Kar mit allen durch die Ablation sichtbar gewordenen Merkmalen eines Gletschers: Stirn- und Seitenmoränen, Schotterablagerungen, erodierten Felsen, einem kleinen Eissee und einem beinahe bewegungslosen, absterbenden Eiskörper. Die Eishöhe dieses Gletscherareals im Jahr 1850 lässt sich an der Nordwand des Koppenkarsteins an dunkel bzw. hell verfärbten Erosionsrändern erkennen. Dieser Durchschnittswert wurde nur durch Klimaschwankungen verändert. Die Klimaforschung belegt für die Alpen zwischen 4000 bis 2000 vor Chr. eine Klimaerwärmung um 2° bis 3 °C. In diesem Zeitabschnitt sind unsere Gletscher weitgehend abgeschmolzen (vgl. Das Lexikon zu Glaziologie, Schnee- und Lawinenforschung der Schweiz. Hrsg. v. d. Redaktion Schweizer Lexikon und der Gletscherkommission der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften. Luzern 1993). Die ältesten noch erhaltenen Eisreste in den Karstgassen und Dolinen des Schladminger Gletscherareals könnten jedoch wegen der extremen Nordstaulage und der der noch zu untersuchenden Bodensedimente älter als 4000 Jahre sein. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die Zeit des prähistorischen Klimaoptimums mit der Neolithischen Revolution korreliert.  Es ist eine Kulturrevolution und Aufbruchszeit des Ackerbaues und der Viehzucht. Dazu kommt später die Metallverarbeitung von Kupfer und Bronze. Für diese Erneuerung wurden von Asien (bereits ab 8000 v. Chr.) bis Europa riesige Brandrodungen durchgeführt, die sogar noch in den südlich gelegenen Alpen nachweisbar sind (vgl. PATZELT, Gernot: Datierung von Feuerstellen in prähistorischen Hirtenhütten im Waldgrenzbereich ostalpiner Gebirgsgruppen. Praearchos 4/2013, 34, 60-63). Zweifellos haben diese Brandrodungen mit ihren gewaltigen Kohlendioxyd-Emissionen erstmals in der Menschheitsgeschichte eine anthropogene Klimaerwärmung verursacht! Dazu benötigte der neolithische Klimawandel mehrere tausend Jahre. Der aktuelle industriell verursachte Klimawandel hat dagegen in nur 200 Jahren eine rapide Klimaerwärmung, die zudem noch weiter fortschreitet, zu Stande gebracht. Wie weit zusätzlich die derzeitigen global verteilten Waldbrand- und Kriegsemissionen zur Klimaaufheizung beitragen, wird von der Forschung gerade untersucht. 

 

 

Literatur:

ARNBERGER, Erik/WILTHUM, Erwin: Die Gletscher des Dachsteinstockes in Vergangenheit und Gegenwart. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. 97. Band, Linz 1952, 181-214.
BRANDNER, Daniel/MANDL, Franz: Der Schladminger Gletscher als Forschungsprojekt. Die ANISA-Messlinie von 2014 und von 2021 im Vergleich mit der 2600-m-Höhenschichtlinie in der Österreich Karte von 1934. Die Folgen der Klimaerwärmung am Beispiel eines Gletschers auf dem Dachsteingebirge, Oberösterreich  https://www.anisa.at/Schladminger_Gletscher-ANISA_Brandner_Mandl_2021.html
Der Dachstein. Werbeprospekt der Planai-Hochwurzenbahnen GmbH. 2018 und ältere Exemplare.
FISCHER: Andrea: TC - Investigating cold based summit glaciers through direct access to the glacier base: a case study constraining the maximum age of Chli Titlis glacier, Switzerland
FISCHER, Andrea: Der menschengemachte Klimawandel. In: Ötztaler Gletscher. Katastrophen, Klimawandel, Kunst.
GANSS, O./KÜMEL, F./SPENGLER, E.: Erläuterungen zur geologischen Karte der Dachsteingruppe. Wissenschaftliche Alpenvereinshefte, Heft 15 (1954). Kartenbeilage 1:25 000 mit den Gletscherständen von 1914 und 1953.
Gletscher im Wandel. 125 Jahre Gletschermessdienst des Alpenvereins. Berlin: Springer Spektrum 2018.
Geologische Karte der Dachsteinregion. Bearbeitung: G. W. Mandl. Herausgegeben von der Geologischen Bundesanstalt und vom Umweltbundesamt. Wien 1998.
HAUTZENBERG, Maximilian: Schutz und Nutzung der Gletscher im alpinen Rechtsraum. Beiträge zu einem nachhaltigen Gletscherschutz in Österreich. Fachbeiträge des Österreichischen Alpenvereins. Serie: Alpine Raumordnung Nr. 38. Innsbruck 2013.
HESSENBERGER, Edith/RAICH, Veronika (Hg.) Ötztaler Museum, Schriften 9. Innsbruck 2023, 30.HOFFERT-HÖSL, Hannes: Auf den Dachstein! 50 Jahre Dachstein Gletscherbahn. In: Da schau her. Die Kulturzeitschrift aus Österreichs Mitte. 3, 2019, 40. Jg. 3-19.

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-     Der Eisstein. Ein Beitrag zur Eishöhenabsenkung in der Firnregion des Hallstätter Gletschers. In: ALPEN. Archäologie, Geschichte, Gletscherforschung. FS: 25 Jahre ANISA, Verein für alpine Forschung. Mitt. d. ANISA, 25./26. Jg. 2006, S. 216-227.
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-    Umweltschutz im Natura-2000-Gebiet Dachstein. Am Beispiel einer Beschwerde an die Europäische Kommission. In: ALPEN. Archäologie, Geschichte, Gletscherforschung. FS: 25 Jahre ANISA, Verein für alpine Forschung. Mitt. d. ANISA, 25./26. Jg. 2006, S. 242-246f.
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weiterführende Links: 

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http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_Dachsteingebirge_2019.html

http://www.anisa.at/Gletscher_Plogging_2018_ANISA.html

http://www.anisa.at/Waldhorngletscher_2018_ANISA.html

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_ Dachsteingebirge_2017.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_ Dachsteingebirge_2016.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2015.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2014.htm

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http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2008.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2007.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2006.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2003.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_1999.htm

 

 

 

Dachstein-Chronologie: Dachstein Chronologie.htm

 

 

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