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Schladminger und Hallstätter Gletscher, Dachsteingebirge

Gletscherzustandsbericht 2014

Wir feiern 15 Jahre Gletscherzustandsberichte der ANISA, Verein für alpine Forschung

 

von Franz Mandl

 

 

Gletschermessungen 2014

 

Zweite Begehung: 20.10.2014

Schladminger Gletscher, zweiter Messstein

     Eisdeckenabschmelze am Gletscherrand 0,31 m

     Gletscherrand Rückzug 0,00 m

 

Erste Begehung: 18.08.2014

Schladminger Gletscher, zweiter Messstein

     Eisdeckenabschmelze am Gletscherrand 0,00 m

     Gletscherrand Rückzug 0,00 m

Hallstätter Gletscher/Schladminger Gletscher

     Gjaidsteinsattel 2630,54 m (Tachymetermessung)

     Gjaidsteingrat, Strommast 2668 m (Tachymetermessung)

 

Verwendete Karte: Österreichkarte 3217, Hallstatt, 1:50 000 (Alpenvereinskarte, Blatt 14 gibt immer wieder falsche Höhen- und Ortangaben an!).

Korrekturen: 2015

 

Aktuelle Informationen und Rückblicke

 

Der Winter 2013/2014 war schneearm. Jedoch wirkten sich die Schneefälle im Mai für den Gletscherhaushalt günstig aus. Am 30. 07. 2014 wurden auf dem Schladminger Gletscher noch 100 cm Schneehöhe gemessen, am 13. 08 2014 wies die Schneemessstation (http://www.snowreporter.com/schneeberichte/oesterreich/steiermark/ramsaudachstein/) bereits 0 cm auf! Das Abschmelzen des Schnees beschleunigten starke Regenfälle. Am 15. 08. 2014 war der Schladminger Gletscher zu 60 % ausgeapert. Neuerliche Schneefälle verhinderte ein weiteres schnelles Abschmelzen des Eises.

 

Von 18.08.2014 bis 20.10.2014 schmolzen auf dem Schladminger Gletscher (2. Messstein) von der Messmarke1-2014 bis 2-2014 1,27 m Schnee und Eis ab. Eine zwischenzeitliche 15 cm hohen Neuschneedecke konnte den Abschmelzprozess nicht stoppen. Damit ist nach einer Stagnation 2013 wieder eine Eisdeckenabsenkung von 31 cm festzustellen.

 

Die Eishöhe des Schladminger Gletschers am zweiten Messstein blieb in der Periode 2013/2014 konstant. Der am 18. 08. 2014 noch liegende Frühjahr- und Sommerschnee erreichte die alte 2012er Marke. An Länge verlor der Gletscher an der Messstelle 0,00 m. Derzeit erfolgt eine Absenkung des Eises an einer mehreren Meter hohen senkrechten Südwand, deren Wandhöhe, die in das Eis hineinragt noch nicht abgeschätzt werden kann.

 

1947 stand an der Messmarke, von der heute die Messlinie zum Koppenkarstein beginnt, der Gletscher mit einem steilen Eishang an. Damals überragte der Gletscher um etwa 40 m die 2012er Marke. Zwischen der Gletscherstandsmarke aus dem Jahr 1947 und der aktuellen Marke von 2014 gibt es einen Längenrückgang von 68,6 m (DORIS GIS Land Oberösterreich). Von der Eishöhe schmolzen von 1947 bis 2003 lediglich ca. 0,5 m pro Jahr ab. Dagegen ergaben die Messungen in den letzten 10 Jahren eine durchschnittliche Absenkung der Eishöhe durch Abschmelzen von etwa 1,1 m pro Jahr.

 

Wenn wir den Gletscherstand der AV-Karte von 1915 und die dort eingezeichnete 2600-m-Höhenschichtlinie über das Orthofoto von DORIS 2012 legen und durch eigene GPS Messungen ergänzen, erhalten wir am zweiten Messstein eine Differenz von 60 Höhenmetern.

 

1850 betrug die Fläche des Schladminger Gletschers mit den Gjaidsteinosthängen (ohne Berücksichtigung der Neigung) 2,598 km², mit dem teils vergletscherten Mittersteinkar bis zu 3,814 km² (laut Aquarell von Friedrich Simony 1842, Modereckalm). Der Umfang betrug 8,370 km. (Als Messpunkte dienten die gut sichtbaren Moränen, Schotterflächen, Erosionsflächen, Bewuchs, Wandbegrenzungen und der Gjaidsteinsattel. Quelle: Orthofoto, DORIS -Intermap des Landes Oberösterreich.)

 

2014 weist der Schladminger Gletscher nur noch annähernd 0,680 km² auf (ohne Berücksichtigung der Hangneigungen). Das ist annähernd ein Viertel der ursprünglichen Fläche ohne Mittersteinkar. Der Umfang beträgt 3,861km (Orthofoto, DORIS -Intermap des Landes Oberösterreich).

 

Nach der langjährigen Messreihe lässt sich feststellen, dass im Bereich der Messlinie (Gletschermarke 2012) die Eisdicke seit 1947 um ca. 40 m abgeschmolzen ist. Diese Absenkung erfolgt aber nicht gleichmäßig über den ganzen Gletscher verteilt. Denn der stärker beschattete und mit dem Schnee von Lawinen gespeiste obere Gletscherrand verliert langsamer an Höhe. Gegenwärtig und wahrscheinlich auch in nächster Zeit verlangsamt sich an der Messlinie der Rückgang der Länge, denn der Gletscher überdeckt dort noch ein kleines Karstplateau oder möglicherweise eine Karstgasse bzw. eine Karstgrube. Falls sich diese Karsterscheinung bzw. das Gesteinsbett bis zu den Nordwänden des Koppenkarsteins erstreckt, könnte dort eine schmale, bis zu 100 m tiefe Gletschermasse existieren. Vielleicht ergibt sich in den nächsten Jahren die Möglichkeit, die Eistiefe mit einem Tiefenradar zu messen. Zusammenfassend mussten wir im letzten Jahrzehnt eine starke Abnahme der Eismasse feststellen, die mit der derzeitigen anthropogen beeinflussten extremen Klimaerwärmung korreliert.

 

Auf dem etwa 100 m höher gelegenen Gjaidsteinsattel wurden ähnliche Verhältnisse wie bei unseren beiden Messsteinen am Rand des Schladminger Gletschers vorgefunden. 1896 berichtet M. Groller, dass der Gletscher bis zu dem Messpunkt (2668 m) auf dem Gjaidsteingrat reichte "[...] um an der Schneide der beiden benachbarten Gletscher mit einer sehr zerklüfteten und verwitterten Endkuppe unter dem Firn zu verschwinden." Diese Endkuppe kann nur die Erhebung, auf der heute ein Strommast und etwas darunter eine Bergrettungshütte stehen, sein. Die hier 2014 durchgeführte Tachymetermessung ergab ebenfalls die Höhe von 2668 m! In der Gletscherkarte von A. Hübner 1901 reichte das Eis beim damaligen Gjaidsteinsattel nur noch bis 2649 m hinauf. Von diesem alten Messpunkt bis zum Gletscherbeginn von 2014 ist der Gletscher 107 m zurückgewichen. Er reicht hier nur noch bis 2630 m (Tachymetermessung). Damit liegt eine Höhendifferenz von 38 m (Groller 1896) und nur noch 19 m (Hübner 1901) vor. Die damalige Höhe der Gletschermasse lag erheblich über dem Messpunkt von 2013. Um 1900 lagerte ein von der Ramsau aus gut sichtbarer Gletschersaum von mehreren Metern Höhe auf der Südwand auf, von dem heute nichts mehr zu sehen ist.

 

 

Globaler Klimabericht 2014:

Klimabericht Österreich 2014:

http://www.ipcc.ch/

http://www.ipcc.ch/pdf/assessment-report/ar5/syr/SYR_AR5_LONGERREPORT.pdf

http://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/einer-der-waermsten-oktober-der-messgeschichte

http://orf.at/stories/2246031/

http://diepresse.com/home/panorama/wien/3871886/Klimawandel_In-Osterreich-wird-es-um-35-Grad-heisser?from=gl.home_panorama

Globaler Temperaturrekord im August 2014: http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/chronik/sn/artikel/globaler-temperaturrekord-im-monat-august-121647/

2014: Wärmstes Jahr der Messgeschichte. http://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/waermstes-jahr-der-messgeschichte

 

 

Zweite Begehung: 20.10.2014

Die Begehung erfolgte bei großflächig ausgeaperter Gletscheroberfläche.

 

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Abb. 1

Wer hätte sich gedacht, dass es einen derart warmen Oktober geben würde?

Von 18.08.2014 bis 20.10.2014 schmolzen auf dem Schladminger Gletscher (2. Messstein) von der Messmarke1-2014 bis 2-2014 1,27 m Schnee und Eis ab. Eine zwischenzeitliche 15 cm hohen Neuschneedecke konnte den Abschmelzprozess nicht stoppen. Damit ist nach einer Stagnation 2013 wieder eine Eisdeckenabsenkung von 31 cm festzustellen. Der Messstein liegt bereits im Pistenbereich des Mittersteinliftes. Wegen der künstlichen Schneeverfrachtung und Verdichtung durch Pistenraupen ist mit gestörten Abschmelzprozessen am Messstein zu rechnen. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 2

Lacke am unteren Rand des Schladminger Gletschers. Mit den Pistenraupen wurde Schnee in die Lacke geschoben um den Abschmelzprozess zu bremsen. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 3

Lacke am unteren Rand des Schladminger Gletschers. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 4

Im Natura2000-Schutzgebiet des Dachsteingebirges hat man mit dem Bagger in die Ostwand des Gjaidsteins Lifttrassenrampen herausgemeißelte. Schladminger Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 5

Schmutzsequenz. Schmutz in verschiedenen Schattierungen. Schladminger Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 6

Schmutzsequenz. Skizirkus mit Liftstützenwald auf dem Schladminger/Hallstätter Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 7

Schmutzsequenz. Schmutz in verschiedenen Schattierungen. Schladminger Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 8

Schmutzsequenz. Aus dem Gletscher ausgeaperter Liftstützenberg. Schladminger Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 9

Schmutzsequenz. Schladminger Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 10

Schmutzsequenz. Der Schladminger Gletscher wurde zum Mülleimer des Massentourismus. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 11

Schmutzsequenz. Schladminger Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 12

Schmutzsequenz. Schladminger Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 13

Schmutzsequenz. Die Betreiber der hochalpinen Naturzerstörung haben das Glück, dass der Schmutz unter dem Winter-, Sommer- und Herbstschnee, die meiste Zeit des Jahres versteckt ist. Schladminger Gletscher mit Blick zum Hallstätter Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 14

Schmutzsequenz. Schladminger Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 15

Es wird gebaut. Jedes Jahr und immer wieder. Immer weiter. Hier hart an der Grenze zum Natura2000 Schutzgebiet. Schladminger Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 16

Schmutzsequenz. Schladminger Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 17

Schmutzsequenz. Schladminger Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

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Abb. 18

Schmutzsequenz. Schladminger Gletscher. Foto: 20.10.2014 

 

 

Erste Begehung: 20.10.2014

Die Begehung erfolgte bei einer noch schützenden dünnen Neuschneedecke.

 

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Abb. 1

Blick von der Bergstation Hunerkogel auf den Schladminger und Hallstätter Gletscher. Foto: 18.08.2014

 

 

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Abb. 2

Blick vom Gjaidrücken (beim Strommasten GPS-gemessene Höhe 2655 m) auf den Schladminger Gletscher. Foto: 18.08.2014  

 

 

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Abb. 3

Im Vordergrund der ausapernde zweite Messstein mit GPS-Antenne. Im Hintergrund der erste Messstein (mit Karre). Foto: 18.08.2014  

 

 

 

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Abb. 4

GPS-Messung auf dem ersten Messstein mit der Gletschermarke von 1947. Links im Hintergrund der Hunerkogel Foto: 18.08.2014 

 

 

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Abb. 5

Rückzug des Schladminger Gletschers in den letzten 67 Jahren. Der Rückzug beschleunigte sich vor allem von 1996 bis 2012. Seither stagniert der Abschmelzprozess am zweiten Messstein wegen des häufigeren Sommerschnees. Dieser Schnee schützt die Eisdecke vor das Abschmelzen. Foto: 18.08.2014  

 

 

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Abb. 6

Messstein am Schladminger Gletscher. Gletscherstand: 18.08.2014. Die Eishöhenabsenkung beträgt 0,00 m, die Schneehöhe 1,00 m. Auf dieser zweiten Messwand schmolzen zwischen 2008 bis 2013 5,7 m von der Eisdecke ab. Im Messbereich liegen noch bis zu 1,00 m Frühjahrs- und Sommerschnee. Neuschnee mit seiner weißen Oberfläche reflektiert einen Teil der Sonneneinstrahlung und verhindert ein schnelles Abschmelzen. Der Messstein liegt bereits im Pistenbereich des Mittersteinliftes. Wegen der künstlichen Schneeverfrachtung und Verdichtung durch Pistenraupen ist mit gestörten Abschmelzprozessen am Messstein zu rechnen. Ob der Stein daher weiter als Messstein verwendet werden kann, werden die nächsten Jahre zeigen. Foto: 18.08.2014 

 

 

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Abb. 7

Die Gletscherhöhen der holozänen Hochstände, dazu sind auch die von 1600 und 1850 zu zählen, sind an der Koppensteinnordwand durch eine senkrechte Erosionskante mit dunkler Oberfläche gekennzeichnet. Die Höhe der Kante beträgt annähernd 40 m. Foto: 18.08.2014  

 

 

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Abb. 8

Gjaidsteinsattel zwischen Schladminger und Hallstätter Gletscher 2014. Die GPS-gemessene Höhe beträgt 2635 m. Foto: 18.08.2014 

 

 

 

Nachtrag

Jedes Jahr kann das Schauspiel des Kampfes gegen die von uns angerichteten, immer höheren CO-2 Kontaminierungen der Atmosphäre, gegen eine reagierenden Natur beobachtet werden.

13.10.2014:

Die warmen, föhnigen Oktobertage haben die Gletscher auf dem Dachsteingebirge großflächig ausapern lassen. Seit unseren Messungen, die in den 1990-er Jahren begonnen wurden, ist 2014 erstmals eine effiziente Ablation erst im Herbst eingetreten. Der Schladminger Gletscher verfärbte sich in den letzten drei Tagen zu einer grau-schwarz verschmutzten Masse.

Der Langlauf auf dem Schladminger Gletscher musste schon vor mehreren Tagen eingestellt werden. Lediglich auf dem Hallstätter Gletscher, mit einer wegtauenden dünnen Schneeauflage, wird Langlauf von Nationalteams trainiert.

14.10.2014

Regen hat in der Nacht die Schneelage auf dem Hallstätter und Schladminger Gletscher noch weiter verschlechtert. Der Eispalast musste mit zusammengeschobenen Restschnee überdeckt werden. Die Schneedecke am 2. Messstein des Schladminger Gletschers taut ab.

22.10.2014

Schlechtwettereinbruch mit starken Schneefällen. Die Schneemessstation zeigt 80 cm Schneehöhe an.

16.11.2014

Die Schneehöhe beträgt an der Messstation 42 cm. Die Lifte sind in Betrieb.

 

 

Umweltprobleme im Naturschutzraum

 

Seit vielen Jahren sieht man im oberösterreichischen GIS "DORIS" den Grenzverlauf auf dem Dachsteingebirge zwischen den Ländern Steiermark und Oberösterreich. Daraus war ersichtlich, dass der Eispalast in oberösterreichisches Hoheitsgebiet ragt. Neue Messung bestätigen dies nun nicht nur, sondern haben Korrekturen notwendig gemacht. ("Woche Ennstal", 27.11.2013, 4 u. 5) Der Eispalast und viele weitere Einrichtungen stehen nun gänzlich in Oberösterreich. Rückblickend hätte auch der Austriaschartenlift nicht im ausgewiesenen Nartura2000-Schutzgebiert gebaut werden dürfen. Der dortige alte Lift war schon seit vielen Jahren demontiert. Dass dann ein Neubau erfolgte, widerspricht den Natura2000-Richtlinien und den weiteren hier geltenden Naturschutzgesetzen.

 

Im Sommer dieses Jahres begann man mit Vorbereitungsarbeiten für einen neuen Tunnelbau durch den Koppenkarstein, da der alte Stollen bereits durch die abschmelzenden Eismassen 25 m hoch in der Wand liegt und nur noch mit Leitern erreichbar ist. Der Tunnel soll den Schladminger Gletscher mit dem Edelgrieß verbinden und so die Berge des südlichen und östlichen Dachsteingebirges erschließen. Dieser Bau verstößt gegen die Richtlinien von Natura2000 und UNESCO-Weltkulturerbe.

 

 

Eingelangte Literatur

PRÜLLER, S./LAIMER H.-J./WEINGARTNER, H. (2009): Wanderweggefärdung durch Permafrostauftau im Bereich des Hallstätter Gletschers. In: Landschaft und nachhaltige Entwicklung. Dachstein und Salzkammergut. Aktuelle Veränderungen und Prozesse in einem alpinen Landschaftsraum. Hrsg. v. Herbert Weingartner. Arbeitsgruppe für Landschaft und Nachhaltige Entwicklung. Universität Salzburg. Fachbereich Geographie und Geologie. Salzburg 2009. S. 17-28.

HARTL, L./STOCKER-WALDHUBER, M./REINGRUBER, K./ FISCHER, A. (2013): Hallstätter Gletscher. Massenhaushalt und Klima 2012/2013. In: Jahresbericht des Instituts für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. [Online 2014, pdf-Datei]

TIEBER, A./LETTNER, H./BOSSEW, P./HUBMER, A./SATTLER, B. & HOFMANN, W. (2009): Akkumulation künstlicher Radionuklide in Kryokoniten auf dem Hallstätter Gletscher. In: Landschaft und nachhaltige Entwicklung. Dachstein und Salzkammergut. Aktuelle Veränderungen und Prozesse in einem alpinen Landschaftsraum. Hrsg. v. Herbert Weingartner. Arbeitsgruppe für Landschaft und Nachhaltige Entwicklung. Universität Salzburg. Fachbereich Geographie und Geologie. Salzburg 2009. S. 29-40.

 

 

 

 Zusammenfassung:

 

Seit dem letzten großen Gletschervorstoß 1840 bis 1850 verursachten Klimaschwankungen mehrmalige Gletscherrückgänge und -vorstöße. Genauere Eisdickenmessungen sind auf dem Schladminger Gletscher erst seit der AV-Karte von 1915 möglich. Demnach ist ein auffällig beschleunigter Gletscherrückgang ab den 1990er Jahren auf unserer Messlinie nachweisbar. In den letzten 10 Jahren schmolzen von der Gletscherdecken jährlich durchschnittlich ca. 1,1 m ab. 2012 wurde mit 1,9 m ein neuer Rekord erzielt. 2013 und 2014 stagnierte am Gletscherrand der Abschmelzprozess. Insgesamt setzte sich aber der Eismassenverlust auf der Gletscheroberfläche durch Ausaperung fort. Als Ergebnis liegt eine jahrelange, stark abnehmende Massenbilanz vor.

 

Der Treibhauseffekt wird durch vermehrte Verbrennung von fossilen Brennstoffen, dazu gehören auch Benzin und Diesel in der Massentourismuswirtschaft, angekurbelt. Die Dachstein-Schladming Tourismusregion setzt auf den Massentourismus und fördert durch die Gratis-Gästekarte, Großevents und den Ausbau der Straßen den Kohlendioxyd-Methanausstoß mit der daraus resultierenden (und von der seriösen Wissenschaft hundertfach belegten) globalen Klimaerwärmung.

 

Jede massentouristische Einrichtung, jeder Skilift und jede Seilbahn zieht hinter sich einen PKW-CO-2-Schweif nach ..., einen sehr, sehr langen und trägt massiv zur Klimaerwärmung bei. Jeder Neubau einer solchen Einrichtung beteiligt sich an der Zerstörung einer gesunden Lebensgrundlage nachfolgender Generationen.

 

Man kann nur immer wieder betonen, dass Massentourismus im Karst und auf den Gletschern nichts zu suchen hat. Er hinterlässt in den letzten Naturbeständen Österreichs, die als geschützte Räume ausgewiesen sind, irreparable Zerstörungen!

 

Bevor jedoch nicht die Klimapolitiker, die hochbezahlte Naturzerstörungslobby und ihre Maschinerie selbst unter die Räder der Klimakatastrophen kommen, werden sie nicht ihre nachhaltigen, skrupellosen und zukunftsvernichteten Wirtschaftscluster beenden.

 

Österreich wurde im Rahmen der UNO-Weltklimakonferenz in Lima für seinen verabsäumten Klimaschutz mit dem Titel: "Fossil des Tages" von der "Climate Action Network", an der 900 Umweltorganisationen beteiligt sind, bestraft. (Salzburger Nachrichten, 03.12.2014,S. 4)

 

 

Fotonachweis: Abbildung 4-erster Begehung von Daniel Brandner, sonst alle vom Autor dieses Beitrages. 

 

Ergänzungen vorbehalten!

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weiterführende Links: 

 

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2015.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2014.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2013.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2012.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2011.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2010.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2009.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2008.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2007.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2006.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_2003.htm

http://www.anisa.at/Gletscherzustandsbericht_1999.htm

 

 

 

Dachstein-Chronologie: http://www.anisa.at/Dachstein%20Chronologie.htm

 

 

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